Tiersex

Die Top 3 der merkwürdigsten Paarungsakte aus dem Reich der Fauna:

Platz 1: Tropische Meeresschnecken betreiben Spermahandel …

Schnecken sind Zwitterwesen, deshalb können sie den nachwuchs gebären und zugleich auch Kinder zeugen. Die weibliche Rolle ist allerdings eindeutig attraktiver.
Grund: Da sie nach erfolgtem Akt den gewünschten Nachwuchs erhalten und nicht die mühselige Spermaproduktion, die ihren Organismus sehr beansprucht, gewährleisten müssen.
Doch die Tiere verhalten sich dennoch fair und kooperativ …

Das Forscherteam um Nils Anthes von der Universität Tübingen hat nämlich erstmals im Labor 200 tropische Meeresschnecken beobachtet und berichtetet darüber im Fachmagazin “Current Biology”:

Sie hatten bei 50 Schnecken die Sperma-Produktion unterbunden, so dass die Tiere zwar Erektionen bekamen, aber nicht ejakulieren konnten. Als sich diese präparierten Schnecken mit den anderen paarten, brachen die voll funktionierenden Schnecken den Geschlechtsverkehr häufig vorzeitig ab.

Grund: Sie gaben ihren aufwendig produzierten Samen her, bekamen aber im Gegenzug nichts dafür. Doch Sex zwischen tropischen Meeresschnecken-Zwittern funktioniert nur im gerechten Sperma-Austausch von beiden Sexpartnern!

Platz 2: Spinnenmännchen stellen sich vor der Paarung tot, warum?

Männliche Listspinnen (Pisaura mirabilis) paaren sich mit List:
Sie wickeln als eine Art Opfergabe ein Beutetier in selbst gesponnener Seide als Geschenk ein und halten ihre milde Gabe so in ihren Kieferklauen fest, dass sie selbst zum groÄŸen Teil davon verdeckt werden. Manchmal reicht diese geschickte WerbemaÄŸnahme aus, um die Weibchen anzulocken. Diese interessieren sich nämlich besonders für das leckere Mitbringsel der Männer …

Doch es kann passieren, dass die kannibalischen Weibchen auch die Männchen attackieren und auffressen! Um nun nicht selbst zur Beute zu werden, stellen sich die Männchen zusätzlich tot. Sie kollabieren plötzlich und verharren dann bewegungslos, ohne jedoch das mitgebrachte Beutestück loszulassen. Mit dem schmackhaften Hochzeitsgeschenk im Arm warten die schauspielernden Männer auf ihre gefährlich gefräÄŸige Braut. Beginnt das Weibchen die Gabe zu verzehren, beginnen sich die Männchen langsam wieder unter der Partnerin zu bewegen und so das Liebesspiel von unten zu starten. Offenbar ist diese Strategie sehr erfolgreich: Allen Männchen, die ihren Tod vortäuschten, gelang die Kopulation mit ihrer Partnerin, wohingegen lediglich nur 58 Prozent der Spinnenmännchen ohne diese Taktik Erfolg hatten.

Das Forscher-Team um Trine Bilde von der Universität von Aarhus in Dänemarl stellt diese Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society: Biology Letters “ vor.

Die Weibchen haben möglicherweise ihre Aggressivität, die ihnen beim Beutefang nützlich ist, im Lauf der Evolution auch auf ihr Paarungsverhalten übertragen, spekulieren die Forscher weiter. Den vorgetäuschten Tod und die ungewöhnliche Präsentation der Geschenke mussten die Männchen demnach vermutlich als Gegenstrategie entwickeln, um sich dennoch erfolgreich mit den Kannibalenweibchen fortpflanzen zu können.

Die List der Listspinnenmännchen ist jedoch nicht ganz ungefährlich: Die starre Haltung macht sie verwundbar. Wohl aus diesem Grund greifen auch nur mutige ein Drittel der Männchen zu dieser riskanten Taktik.

Platz 3: Die Bären sind los …

Wissenschaftler vom Institut für integrative Biologie von der Universität Wien beobachteten 20 Jahre lang Bären in Skandinavien. Dabei fanden sie heraus: Männliche Braunbären haben in der Paarungszeit von Mai bis Juli vor allem ein Ziel: Möglichst viele Weibchen zu besteigen. Da aber Weibchen, die bereits Junge haben, nicht paarungsbereit sind, wird der Nachwuchs dieser Bärinnen von den nimmersatten Männchen kurzerhand umgebracht.

In den Bärenpopulationen, in denen häufig Jungtiere getötet wurden, entwickelten Weibchen eine Gegenstrategie: Entgegen ihrer eigentlichen Natur kopulieren sie - obwohl sie bereits trächtig sind oder frischen Nachwuchs haben - mit möglichst vielen Männchen. Diese glauben dann später, sie seien die Väter der Jungen und lassen so den Nachwuchs in Ruhe. Etwa 54 Prozent der Weibchen binden auf diese Weise den Männchen einen Bären auf und sichern so das Äœberleben ihrer Nachkommen.

Nach Meinung der Wissenschaftler hat das grausame Macho-Gehabe der Männchen weniger mit Lust, sondern mit der Weitergabe von Erbinformationen zu tun. Ziel der Tiere sei es, ihre eigenen Gene so gut wie möglich in die nächste Generation hinüberzuretten. Die Weibchen können durch ihre erlernte Promiskuität auch ihre eigenen Erbanlagen weitergeben …


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